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Was ist "Ökologisches Trassenmanagement"?

Mit der Energiewende entstehen neue Stromleitungen in der Landschaft, und bestehende Verbindungen werden ausgebaut. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, die Trassen für einen sicheren Stromtransport freizuhalten. Bei der Bewirtschaftung von unter- und oberirdischen Trassen steht beim Ökologischen Trassenmanagement neben den Maßnahmen zur Sicherung des Trassenzwecks (etwa Bahnverkehr, Stromübertragung, Gastransport) der langfristige ökologische Nutzen für Tier- und Pflanzenarten oder Lebensräumen im Vordergrund. Dies gilt sowohl für Erdkabel- oder Gasleitungstrassen als auch für oberirdische Leitungen wie Freileitungen, Bahn- oder Straßentrassen.

Ökologisches Trassenmanagement sollte fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie der Netzbetreiber sein und aktiv gelebt werden.


Das Management und die durchgeführten Maßnahmen folgen einem Pflege- und Entwicklungskonzept, das naturschutzfachliche Entwicklungsziele für Arten oder Lebensräume festlegen sollte (etwa Biotopverbund, Schutz, Entwicklung). Hierbei werden insbesondere passende Lebensräume für gefährdete, wertgebende und charakteristische Arten und deren funktionale Verbindung angestrebt. Nahegelegene Naturschutz-Schwerpunktgebiete oder vorliegende Naturschutz-Fachplanungen sollten einbezogen werden. Idealerweise werden Maßnahmen für ein effektives Trassenmanagement bereits im Planfeststellungsverfahren eingebracht und anschließend umgesetzt. Zu beachten ist, dass Maßnahmen auf der Trasse immer mit dem Grundeigentümer abgestimmt werden müssen.

Das ökologische Trassenmanagement ist ein klassisches Arbeitsgebiet der Landschaftspflege und der Landschaftspflegeverbände sowie des haupt- und ehrenamtlichen Naturschutzes.

Was gehört zum ökologischen Trassenmanagement?

Maßnahmen, die Bestandteil von ökologischem Trassenmanagement sein können:

Offenhaltung durch extensive Bewirtschaftung
1. Extensive Beweidung (dauerhaft, etwa mit Mutterkühen, oder als Weide für Wanderschafherden
2. Mahd nach naturschutzfachlichen Gesichtspunkten (Mahdzyklus und -technik)
3. Standortabhängige Etablierung von Zwergstrauchheiden, Trocken- oder Magerrasen

Anlage gehölzbetonter Biotope
4. Strukturierung gestufter Waldränder
5. Niederwaldbewirtschaftung
6. Waldriegel als Verbindung getrennter Waldbereiche
7. Pflanzung und Pflege von Hecken
8. Gebündelte Lagerung von anfallendem Totholz
9. Maststandorte als Refugien in intensiv genutzter Ackerlandschaft

Maßnahmen für seltene Zielarten
10. Pflanzung von Wildobstarten
11. Einrichtung offener Bodenstellen für wärmeliebende Arten wie Eidechsen, Insekten oder Silbergras
12. Anlage von Kleingewässern, etwa für Gelbbauchunken und Libellen

Umsetzung in die Praxis

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) verfolgt in Zusammenarbeit mit Landschaftspflegeverbänden, Netzbetreibern und Planungsbüros das Ziel, aus dem Aus- und Umbau des Stromnetzes ökologischen Zusatznutzen zu generieren.

Der DVL möchte Möglichkeiten aufzeigen, wie durch Pflege und Bewirtschaftung von Leitungstrassen wertvolle Biotopvernetzungsstrukturen geschaffen und die Trasse damit quasi das Rückgrat für die biologische Vielfalt bilden kann. Gleichzeitig kann auf den Trassen der Eingriff in die Landschaft vermindert oder flächensparend ausgeglichen werden. Trassenbereiche in Wäldern, die aus technischen Gründen einer Pflege bedürfen, treten besonders in den Fokus. Ausgleichsmaßnahmen für den Netzausbau sollen für die Verbesserung von Natura 2000-Flächen oder für die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie eingesetzt werden. Neben der Neuanlage von Biotopstrukturen (z.B. Mikroreliefgestaltung) kann auch eine extensive landwirtschaftliche Nutzung, etwa mit einer Ganzjahresbeweidung, die Vernetzung bestehender Biotope verbessern.

Der DVL erwartet von diesem Vorgehen nicht nur einen Effekt für den Naturschutz, sondern auch eine bessere Akzeptanz in der Bevölkerung für diesen erforderlichen Eingriff zur stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien. Dazu sollen auch Informationsangebote für die ansässige Bevölkerung beitragen. Im Projekt „Ausbau von Leitungstrassen - Kooperative Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen und Entwicklung von Leitungstrassen als Flächen für einen Biotopverbund“ bringen die Landschaftspflegeverbände ihre Kompetenz und Erfahrung im Spannungsfeld von Naturschutz und Landwirtschaft ein. Zusammen mit Praktikern aus Modellregionen werden Handlungsanleitungen für ein effektives Trassenmanagement erarbeitet. Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert.

Beispiele für ökologisches Trassenmanagement sind bei uns auf der Homepage unter Trassenübersicht oder auf der Trassenkarte zu finden.

Kontakt

Dr. Jürgen Metzner

DVL-Geschäftsstelle
Promenade 9
91522 Ansbach

Tel. 0981/180099-10

E-Mail: metzner(at)lpv.de

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) · Promenade 9 · 91522 Ansbach
Tel.: +49 (0)981-1800-990 · E-Mail: info@lpv.de · Internet: www.lpv.de