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Einfluss von Natura 2000 auf landwirtschaftliche Betriebe. Neue Fakten zu Natura 2000 und Landwirtschaft

17.05.2017

Einfluss von Natura 2000 auf landwirtschaftliche Betriebe

Neue Fakten zu Natura 2000 und Landwirtschaft

DVL veröffentlicht Untersuchung über betriebswirtschaftliche Auswirkungen von Natura 2000 auf landwirtschaftliche Betriebe

Ansbach, 17.05.2017. Natura 2000 wirkt sich in der Regel nicht negativ auf die Wirtschaftlichkeit landwirtschaftlicher Betriebe aus. Das fand der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) in einer Studie im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) mit Förderung des Bundesumweltministeriums (BMUB) heraus. Demnach werden Pachtpreise, der Verkehrswert von Flächen oder die Kreditwür-digkeit landwirtschaftlicher Betriebe nicht pauschal von Natura 2000 beeinflusst. „Befürchtungen der Landschaftspfleger haben sich nicht bewahrheitet“, so Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL. Bei der Einkommensentwicklung kann Natura 2000 sogar positiv wirken. Ca. 40.000 Betriebe bilden in Deutschland das Rückgrat der Natura 2000-Umsetzung. Ihre Beteiligung ist ein wichtiger Erfolgs-faktor. Für die Studie wurden 47 FFH- und Vogelschutzgebiete in allen Flächen-bundesländern einbezogen. Darüber hinaus wurden Landwirte, Banken, Gut-achterausschüsse und Behörden befragt sowie Datenbanken analysiert.

Eine Beeinflussung der Pachtpreise oder Einschränkung bei der Kreditwürdigkeit betroffener Grundstückseigentümer wurden nur in wenigen Ausnahmefällen gefunden. Die Befragung von 27 im Agrarkreditgeschäft tätigen Banken hat ergeben, dass der Natura 2000-Status einer Fläche bei der Kreditvergabe im Allgemeinen keine Rolle spielt. Die Anfrage bei allen Oberen Gutachterausschüssen für Grundstückswerte der Bundesländer zeigte, dass Natura 2000 bisher nicht als wertgebender Faktor in der Kaufpreisstatistik aufgenommen wurde. Natura 2000 wirkt sich deshalb nicht systematisch auf den Grundstückspreis aus.

Der DVL befragte deutschlandweit 27 Betriebsleiter über ihre Erfahrungen mit Natura 2000. „Landwirte gehen mit Natura 2000 sehr konstruktiv um und sehen darin auch Chancen“, so Metzner. Speziell die Angebote im Vertragsnaturschutz sind für Landwirte eine wichtige Finanzierungsgrundlage. Die Befragung zeigt aber, dass Natura 2000-Auflagen unter Umständen hohe Kosten verursachen können, wenn Maßnahmen nicht auf die Grenzen und Möglichkeiten der Bewirtschafter abgestimmt sind! So wird es zum Beispiel für Landwirte schwierig, wenn für sehr kleinteilig strukturierte Flächen jeweils unterschiedliche Mahdtermine festgelegt oder auf fern vom Hof gelegenen Flächen beweidet werden soll.

Metzner fordert deshalb mehr Fingerspitzengefühl des Naturschutzes gegenüber den Landwirten. Eine Beteiligung der Betriebe schon in der Phase der Managementplanerstellung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine gute Umsetzung. „Die Landwirte wünschen sich vor allem klare Information und Wertschätzung ihrer Naturschutzleistungen“ so Metzner.

Der DVL mahnt aber auch die Politik zum Handeln. Die Ergebnisse des aktuellen Fitness-Checks der EU für Natura 2000 haben ergeben, dass es massive Defizite in der Umsetzung gibt. Die Förderbedingungen müssen besser an die Naturschutz-ziele angepasst werden. Der DVL fordert bei diesen Überarbeitungen die landwirtschaftlichen Betriebe in den Mittelpunkt zu stellen. „Nur, wenn wir langfristige Perspektiven für Landwirte im Naturschutz schaffen, werden wir die naturschutzfachliche Qualität der Natura 2000-Gebiete erhalten oder verbessern“, betont Metzner.

Die neue DVL-Broschüre „Natura 2000 und landwirtschaftliche Betriebe – Fakten und Hintergründe“ kann unter www.landschaftspflegeverband.de heruntergeladen oder beim DVL bestellt werden.

Kontakt: Dr. Jürgen Metzner, Deutscher Verband für Landschaftspflege, Promenade 9, Tel. 0171/5836921, E-mail: metzner@lpv.de

Pressemitteilung im pdf-Format:

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