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Agrarförderung auf Weideflächen vereinfachen!

27.02.2015

Ansbach, Köln-Deutz, 24.02.2015: Auch in der neuen reformierten Agrarpolitik gibt es bei der Förderung von Weideflächen zahlreiche Hürden. Die Beweidung von Feuchtwiesen, Trockenrasen oder Almweiden ist weiterhin mit aufwändiger Bürokratie und hohen Sanktionsrisiken verbunden. Betroffen sind Landwirte und Naturschutz gleichermaßen. Auf einer Tagung des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL) in Köln-Deutz am 24. Februar haben 160 Fachleute aus Praxis und Verwaltung die neuen Richtlinien bewertet. Ein Hauptproblem ist die Anerkennung der Weideflächen in der 1. Säule der Agrarförderung. „Wir brauchen eine Vereinfachung der Regeln im Sinne der Landwirte“, so Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL, „sonst sind die schönsten Perlen unserer Kulturlandschaften in Gefahr“.

Aus Sicht der EU handelt es sich oft um „Grenzertragsstandorte“, die nur in Teilen die Kriterien einer landwirtschaftlichen Produktionsfläche erfüllen und deshalb nicht generell ins landwirtschaftliche Fördersystem passen. Wegen zu vieler Bäume, Büsche, aber auch Schilf, Seggen und Binsen ist oft unklar, ob Landwirte auf den Flächen Direktzahlungen erhalten dürfen; ob es sich also um landwirtschaftliches Grünland im Sinne der EU-Vorordnungen handelt. Die Vegetation muss in vielen Fällen aufwendig vermessen und bewertet werden. Das Fehlerrisiko für die Landwirte und letztlich für die Mitgliedsstaaten ist dabei immens.

Dieselbe EU verpflichtet jedoch Deutschland, diese Flächen, oft Natura-2000-Gebiete, wegen ihres Artenreichtums zu erhalten. Dies ist aber nur durch landwirtschaftliche Nutzung von Schäfern oder Mutterkuhhaltern möglich – ein krasser Widerspruch. Obwohl diese Landwirte für ihre Leistungen Förderprogramme der 2. Säule (z.B. Agrarumweltprogramme) nutzen, sind sie wie alle Landwirte auch auf Direktzahlungen aus der 1. Säule angewiesen.

Unisono fordern Experten die großzügige Anerkennung der Extensivweiden als landwirtschaftliche Flächen. „Konstruktive Lösungsvorschläge liegen bereits auf dem Tisch“, so Metzner. Mit der Einbeziehung von Heidegebieten in die Förderung gibt es aktuell auch schon ein gutes Vorbild. Auch die EU-Kommission, das Bundeslandwirtschaftsministerium und viele Bundesländer zeigen großes Engagement, um die Weidetierhalter besser zu unterstützen. Ein Durchbruch ist aber noch nicht gelungen. „Vielleicht kann dies im Zuge der Diskussion um eine Verwaltungsvereinfachung gelingen, die EU-Kommissar Hogan angestoßen hat“, so Metzner. Ein Schäfer brachte es bei der Veranstaltung auf den Punkt: „Wenn wir die aktuellen Kosten für den unglaublichen Verwaltungs- und Kontrollaufwand als Förderung in die Bewirtschaftung der Gebiete investieren würden, wäre der Erhalt mehr als gesichert“.

Der DVL als Dachverband der über 155 deutschen Landschaftspflegeverbände und Biologischen Stationen hat die Agrarreform intensiv begleitet. Die Tagung wurde gemeinsam mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) veranstaltet, der selbst Träger von modellhaften Beweidungsprojekten in Nordrhein-Westfalen ist. Gefördert wurde die Veranstaltung im Rahmen des DVL-Projekts „Entwicklung der extensiven Beweidung als zukunftsfähiges Naturschutzinstrument“ durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, die Heinz Sielmann Stiftung, die Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds, die Heidehofstiftung, die Naturstiftung David und den WWF Deutschland.

Kontakt:
V.i.d.S.d.P.: Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer DVL, Tel. (0981) 4653-3540, E-Mail info@lpv.de
Prof. Dr. Eckhard Jedicke, DVL-Projektleiter „Extensive Beweidung als zukunftsfähiges Naturschutzinstrument“, Tel. (05691) 7197 oder (0173) 901 66 15, E-Mail info@jedicke.de

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