Zukünftige Ausrichtung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik

17.03.2016

Öffentliches Geld konsequent an öffentliche Leistungen binden

DVL stellt praktischen Vorschlag zur Reform der Agrarzahlungen vor

Ansbach/Berlin, 17.03.2016: Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) hat heute in Berlin einen Vorschlag für ein neues Verfahren vorgestellt, mit dem landwirtschaftliche Betriebe für ihre Leistungen im Bereich des Biodiversitäts-, Klima- und Wasserschutzes honoriert werden können. Das Konzept wurde auf einer Diskussionsveranstaltung präsentiert, zu der der Schleswig-Holsteinische Umweltminister Dr. Robert Habeck Vertreter aus den Bereichen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik in die Landesvertretung eingeladen hatte.
Eine wichtige Kernfrage der Zukunft ist, wie die Agrarförderung im Rahmen der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik an öffentliche Leistungen der landwirtschaftlichen Produktion ausgerichtet werden kann. Das für die aktuelle Agrarförderperiode eingeführte „Greening“ ist als Schritt in diese Richtung gedacht, wird jedoch nach ersten Experteneinschätzungen insbesondere für den Bereich der Biodiversität nicht zu den gewünschten Effekten führen. Es zeichnet sich zudem ab, dass der Verwaltungsaufwand weiter zunimmt. Infolge dieser Entwicklungen mehren sich die Stimmen, die eine Abschaffung des bestehenden Agrarfördersystems fordern.
Als einen Lösungsvorschlag hat der DVL nun ein Konzept vorgelegt, durch das Gemeinwohlleistungen der Landwirtschaft konsequent entlohnt werden können.
Das Grundprinzip besteht darin, die Biodiversitäts-, Klima- und Wasserschutzleistungen einzelner landwirtschaftlicher Betriebe zu erfassen und mit Punkten zu bewerten. Der betriebsspezifische Gesamtpunktwert wird dann entsprechenden Zahlungen zugeordnet. Eine derartige Herleitung der öffentlichen Zahlungen hätte entsprechende finanzielle Umverteilungen zur Folge. Betriebe, die beispielsweise ungünstige Standorte bewirtschaften oder einen hohen Anteil an Landschaftselementen, wie z.B. Hecken, aufweisen, sind bisher wirtschaftlich eher benachteiligt. Durch die vorgeschlagene Honorierung nach „Punkten“ würde dieser Nachteil ausgeglichen. Es entstünde erstmals sogar ein finanzieller Anreiz, auf ausgewählten Betriebsflächen gezielt Maßnahmen zum Biodiversitäts-, Klima- und/oder Wasserschutz durchzuführen. Da die Punktbewertung überwiegend auf bekannten Angaben zur Flächenbewirtschaftung beruht, ist nur ein geringer Verwaltungsaufwand für die Erhebung notwendig.
„Wir legen hiermit ein typisches DVL-Konzept vor“, erläuterte Dr. Helge Neumann, der das Verfahren in Berlin vorstellte. „Es ist aus der Praxis heraus entwickelt worden und die Honorierung tatsächlicher Umweltleistungen soll möglichst vielen Betrieben auch wirtschaftlich zu Gute kommen“. Der Vorschlag zur Reform der Agrarzahlungen zielt damit nicht nur darauf ab, die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen zu verbessern, sondern es sollen auch die ländlichen Räume mit ihren Landwirten gestärkt werden.
Die Punktbewertung wurde in Schleswig-Holstein ursprünglich als Instrument für die Naturschutzberatung landwirtschaftlicher Betriebe entwickelt. Das Verfahren hat sich hierbei ausnahmslos als praktikabel erwiesen und wurde bereits an über 100 Betrieben unterschiedlichster Betriebstypen in allen Naturräumen überprüft.

Kontakt: Jürgen Metzner, Deutscher Verband für Landschaftspflege, Feuchtwangerstr. 38, 91522 Ansbach, Tel: 0981/4653-3541, E-Mail: metzner@lpv.de

Dateien:
Biodiversitätsbewertung_und_Agrarzahlungen_17_03_2016.pdf1.3 M
PM_DVL_17_03_2016_End.pdf116 K
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