Heckenpflege in Bayern muss fortgesetzt werden!

28.09.2015

Landwirtschaftsministerium vertröstet Landwirte und Kommunen ein weiteres Jahr

Langenaltheim, 28.9.2015. Bei einem gemeinsamen Ortstermin in Langenaltheim fordern Landschaftspflegeverbände, Bauernverband und Kommunen vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium zukünftig eine zuverlässigere Förderung der Heckenpflege über das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP). Bereits 2014 waren hierfür keine Fördergelder zur Verfügung gestanden und die Beteiligten auf 2015 vertröstet worden. Kurzfristig hat das Landwirtschaftsministerium nun auch den in diesem Jahr geplanten Antragsbeginn für die Förderung der Feldheckenpflege zurückgezogen.

Dabei hatte sich das KULAP-Programm in den letzten Jahren sehr bewährt: über 1.200 Hektar Hecken wurden nach ökologischen Gesichtspunkten gepflegt, die meisten davon in den nordbayerischen Regionen. Dafür standen in der 7-jährigen Förderperiode von 2007-2013 12,5 Millionen Euro zur Verfügung, ein großer Teil davon aus dem Topf der Europäischen Union. In den meisten Fällen verfassten Landschaftspflegeverbände die Pflegekonzepte und stellten die Förderanträge; Landwirte übernahmen unter deren fachlicher Einweisung und gegen Bezahlung die praktischen Arbeiten.

„Die Geduld unserer Partner wird jetzt schon arg strapaziert“, beschreibt der stellvertretende Landessprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände, Klaus Fackler, die Stimmung vor Ort. „Das Ministerium riskiert mit dem Antragsstopp, dass das Vertrauen der Landwirte und Kommunen in die staatlichen Förderprogramme verloren geht.“

Auch der Vorsitzende des BBV-Landesausschusses für Umweltfragen und schwäbische Bezirkspräsident Alfred Enderle beklagt die Verzögerung bei dieser Maßnahme im Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (KULAP): „Hecken sind ein wichtiger Teil unserer Kulturlandschaft. Aber sie müssen regelmäßig gepflegt werden, damit sie nicht in die anliegenden landwirtschaftlichen Flächen hineinwachsen. Gerade bei dornigen Hecken bedeutet das harte Arbeit, die nicht umsonst geleistet werden kann.“ Nur so profitierten Landwirtschaft und Naturschutz von den Hecken. Doch dürfe dies nicht nur für die Heckenpflege gelten: “Staatsminister Brunner und der Landtag müssen für die gesamte Förderperiode des KULAP bis 2020 eine ausreichende Finanzausstattung sicherstellen, so dass alle Maßnahmen rechtzeitig umgesetzt und kontinuierlich von interessierten Bauern in den nächsten Jahren beantragt werden können“.

„Die Gemeinden dürfen mit den Hecken aus der Flurbereinigung nicht im Stich gelassen werden“ fordert Alfred Maderer, Bürgermeister der Gemeinde Langenaltheim. Seit 1997 organisiert der Landschaftspflegeverband bereits die Heckenpflege in Langenaltheim zusammen mit 40 Landwirten. Insgesamt wurden bislang 130 Hecken mit rund 31 km Länge gepflegt. Dabei wurden 52.000 € Fördermittel aus den Kulap-Programmen eingesetzt. „Ohne Förderung können wir uns keine fachgerechte Heckenpflege leisten“ räumt er ein.

Die Bayerischen Landschaftspflegeverbände und der Bayerische Bauernverband appellieren daher eindringlich an das Landwirtschaftsministerium, die Förderung zukünftig verlässlich zu gewährleisten und die Antragstellung sobald als möglich wieder zu eröffnen. „Wir bauen darauf, dass das Landwirtschaftsministerium die Fördermittel im nächsten Jahr wieder zur Verfügung stellt“, erklärt Fackler, „dann hätten sich auch die Vorleistungen gelohnt, die alle Beteiligten vor Ort bereits erbracht haben.“

Hintergrund:
Hecken und Feldgehölze bieten Nahrung, Schutz und Brutplätze für eine Vielzahl von Tieren und tragen zur Artenvielfalt und Biotopvernetzung bei. Darüber hinaus wirken sie als Wind- und Erosionsschutz für die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen. Um die Funktionsfähigkeit der Hecken zu erhalten, müssen sie aber alle 3-5 Jahre in Abschnitten zurückgeschnitten werden. Ansonsten verlieren sie ihre typische Gestalt und wachsen langfristig zu Bäumen heran. Am wertvollsten sind Hecken, die eine hohe Strukturvielfalt, das heißt unterschiedliche Altersabschnitte und verschiedene Straucharten, aufweisen.
Die 55 Landschaftspflegeverbände in Bayern sind Zusammenschlüsse aus Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunalpolitiker. Sie arbeiten bayernweit mit über 1.200 Gemeinden, 15 kreisfreien Städten und 57 Landkreisen zusammen. Sie organisieren dabei Artenschutz und Landschaftspflege auf kommunalen Flächen, beraten Gemeinden bei Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen oder sind für die dauerhafte Pflege von Ausgleichsflächen verantwortlich. Mehr Informationen unter www.bayern.lpv.de.

Kontakt: Beate Krettinger, Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL), Landeskoordinatorin Bayern, Promenade 9, 91522 Ansbach, Tel.: 0981 / 180099-15, Fax: 0981 / 180099-30, Mobil: 0176 / 6483 6245, Email: krettinger@lpv.de, www.bayern.lpv.de 

zurück zur Übersicht

Foto: DVL