Bäuerlicher Naturschutz muss sich lohnen

15.04.2016

Bäuerlicher Naturschutz muss sich lohnen

Wie der Beitrag der Landwirtschaft zu einer vielfältigen artenreichen Kulturlandschaft aussehen kann, wurde an der Tagung „Bäuerlicher Na­turschutz“ in Berlin diskutiert.

Das Herz des Landwirts Klaus Diehl schlägt für die Natur. Deshalb engagiert er sich auf seinem Betrieb „Sandmühle“ für den Naturschutz, zum Beispiel mit Blühstreifen für Feldhamster auf seinen Äckern. Solche Naturschutzleis­tungen sind zwar wertvoll, aber auch anspruchsvoll. Das macht eine wirt­schaftliche Betriebsführung schwierig. An der Tagung „Erfahrungen und Per­spektiven des bäuerlichen Naturschutzes“ lud die Deutsche Vernetzungs­stelle Ländliche Räume (DVS) zusammen mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) verschiedene Akteure ein, die Problematik gemein­sam mit betroffenen Landwirten zu diskutieren.

Etwa 40.000 Betriebe erzielen im anspruchsvollen Naturschutz eine Wert­schöpfung, stellte der Vorsitzende des DVL, Josef Göppel MdB, eingangs fest. Und erklärte: „Naturschutz muss sich für die Bauern auszahlen.“ Er diskutierte auf dem Podium gemeinsam mit Alois Gerig MdB, Bernt Farcke (BMEL) Dr. Elsa Nickel (BMUB) und Eberhard Hartelt (DBV). Dass sich Bäuerlicher Natur­schutz aktuell nicht lohne, darüber herrschte Einigkeit. Umstritten war, wie sich die Situation verbessern lässt. Der Vorschlag, von der ersten in die zweite Säule umzuschichten, wurde kontrovers diskutiert. Die Wiedereinführung gekoppelter Zahlungen für Weidetierhaltung forderten verschiedene Ak­teure.

In Kritik standen die Sanktionen, zu denen es kommt, wenn ein Betrieb die Auflagen aus den EU-Verordnungen nicht eingehalten hat. „Sanktionssicher­heit“ und das richtige Maß für Kontrollen wurde gefordert. Warum Sanktio­nen nicht immer gerechtfertigt sind, erklärte Landwirt Eckhard Schmieder. Gerade bei ergebnisorientierten Maßnahmen im Grünland sei es wichtig, auch natürliche Prozesse zu berücksichtigen. Pflanzengesellschaften könn­ten sich aufgrund klimatischer Bedingungen auch dann verändern, wenn ein Landwirt die Wiesen optimal pflege.

Der 62-Jährige bewirtschaftet seinen Prinzbachhof bereits in der 23. Genera­tion. Er möchte ihn an seinen 28-jährigen Sohn übergeben. Doch er sorgt sich. Für ein gutes Leben brauche es eine Grundzufriedenheit. Die bleibe aber nur erhalten, wenn jemand für seine Arbeit anerkannt werde und davon le­ben könne. Das sei aber mit seiner Milchwirtschaft und den niedrigen Milchpreisen aktuell nicht möglich. Schmieder sagt: „Wenn sie mit Trinkgeldern abgefertigt werden, fühlen sie sich von der Politik verlassen“. Für seinen Sohn wünscht er sich eine Zukunft mit Förderprogrammen, die Leistungen ange­messen vergüten und langfristig ausgelegt sind. Weil es aufwendig sei, einen Betrieb umzustellen, brauche es mehr Verlässlichkeit bei den Fördermitteln.

Mit großen Nachfolgeproblemen hat auch die Schäferei in Deutschland zu kämpfen. Knut Kucznik nennt einen Grund für das Schäfersterben: „Ein Hilfsjob ist heutzutage besser bezahlt als ein ausgebildeter Schäfer“. Durch einen Bi­otoppfleger hat er einen Schatz, Wiesenknopf und Bläulinge, auf seinen Wei­den entdeckt. Über dessen Beratung nimmt er am Vertragsnaturschutzpro­gramm teil und kann nun von der Schäferei leben. Er hat auch Bündnisse initiiert, um das Fleisch der Schafe zu vermarkten. „Zusammen ist man stär­ker“, sagt Kucznik.

Besonders intelligente Vermarktungswege für Naturschutzheu hat Heinrich Meusel gefunden. Das Heu seiner Bergwiesen enthält unzählige Heilkräuter. Kleintiere, zum Beispiel Hasen, lieben es. Fleisch im Heumantel ist besonders saftig. Und Kräuterbäder finden auch wieder mehr Beachtung. Nur davon kann er nicht leben. Im Herbst und Frühjahr nutzt er seinen Maschinenpark für die Waldbewirtschaftung. Im Winter ist er Gastwirt einer kleinen Skihütte. Seine Vertriebswege will der Heu-Heinrich auch für andere Landwirte öffnen, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Er sagt: „Wirtschaftlicher Naturschutz macht auch wieder Spaß.“

Als Ausblick forderte Prof. Dr. Alois Heißenhuber ein neues Förderungskon­zept. Das bestehende habe sich nachweislich nicht bewährt. Um Bäuerlichen Naturschutz dauerhaft etablieren zu können, benötige es gesellschaftliche Anerkennung und eine angemessene staatliche Förderung. Zum Abschluss warb Dr. Hanns-Christoph Eiden (BLE) für eine dialogbasierte Weiterentwick­lung des bäuerlichen Naturschutzes in Deutschland. Dialoge seien jetzt wich­tig, um sich rechtzeitig vor der nächsten Förderperiode einzubringen.

Kontakt: Andrea Matt, Deutscher Verband für Landschaftspflege, Feucht­wangerstr. 38, 91522 Ansbach, Tel: 0981/4653-3551, E-Mail: a.matt@lpv.de

zurück zur Übersicht