"Vorbildliche Projekte"

Gemeinsam für die Schlingnatter – ökologische Trassenpflege in Wuppertal

Im Bereich des ehemals regelmäßigen Vorkommens der Schlingnatter am Rande des Marscheider Waldes in Wuppertal waren seit Mitte der 1980er Jahre keine Nachweise mehr gelungen. Das war 1995 der dringende Anlass für die Gründung eines Arbeitskreises zum Schlingnatterschutz in Wuppertal. Als gemeinsame Aufgabe wurden die Suche nach den „letzten Überlebenden“ der Schlingnatternpopulation sowie eine langfristige und nachhaltige Verbesserung des Lebensraums durch gezielte Pflegemaßnahmen vor allem auf einer Freileitungstrasse, die den Marscheider Wald durchschneidet, vereinbart. Aktuelle Funde belegen nun ihre Verbreitung im gesamten Bereich dieser Trasse durch den Marscheider Wald.

Seit nahezu 20 Jahren trifft sich nun diese Arbeitsgruppe regelmäßig einmal jährlich. Sie setzt sich zusammen aus Vertretern des ehrenamtlichen und des beruflichen Naturschutzes, des Landesbetriebs Wald und Holz NRW sowie des Energieversorgers amprion GmbH. Grundlage zur Umsetzung der Pflegemaßnahmen ist ein Biotopmanagementplan für die Freileitungstrasse, der im Auftrag des Leitungsbetreibers erstellt wurde und laufend fortgeschrieben wird. Alle Beteiligten der Arbeitsgruppe sowie ehrenamtliche Helfer halten die Leitungstrassen von Gehölzen und Adlerfarn frei und ermöglichen so eine gleichmäßige Besonnung des Biotops. Gleichzeitig wurden extra für die Leitart Schlingnatter charakteristische Lebensraumelemente geschaffen, die auch der von ihr repräsentierten Faunengruppe zu Gute kommt. So wurden der Oberboden abgeplaggt, Heide angesiedelt sowie Schnittholzstapel und eine große Natursteinmauer angelegt.

Es ist dem großen Engagement des freiwilligen Arbeitskreises zu verdanken, dass die Schlingnatterpopulation im Großraum Wuppertal erhalten werden konnte. Darüber hinaus wurden weitere Teilpopulationen auf angrenzenden Flächen nachgewiesen und Maßnahmen zur Vernetzung der Lebensräume getroffen. Die Öffentlichkeit ist kontinuierlich über die Fortschritte der Maßnahmen unterrichtet worden. Es wurden Fachtagungen und Exkursionen durchgeführt, Publikationen zum Projekt veröffentlicht, Vorträge organisiert und regionale und internationale Jugend-Work-Camps veranstaltet.

Für die engagierte, langjährige Zusammenarbeit und die hartnäckige und beispielhafte Pionierarbeit im Ökologischen Trassenmanagement wurde das Projekt „Gemeinsam für die Schlingnatter - ökologische Trassenpflege in Wuppertal“ mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

Gewässerrenaturierungen auf den Ostalb

Seit acht Jahren setzt sich der Landschaftserhaltungsverband Ostalbkreis dafür ein, Bäche und Flüsse auf der Ostalb zu renaturieren. Leitgedanke für das Projekt ist die Neuschaffung einer sich selbst erhaltenden „Naturlandschaft“. Dabei wird insbesondere angestrebt, das Wasser wieder in die Landschaft zu bringen, von wo es in den letzten beiden Jahrhunderten fast vollständig verdrängt wurde.

Die restaurierten Bachläufe zeichnen sich durch höchstmögliche Natürlichkeit in Bezug auf Lauflini-enführung (mäandrierend), Querprofil (Anhebung desAuewasserstands um 50 bis 120 cm, natürliche Prall-Gleithangbildung innerhalb eines bis weniger Hochwasserereignisse), Vernetzung von Bach und Aue durch jährliche Hochwässer in der gesamten Aue, Sohlsubstrat und Totholz aus. Insgesamt entstanden bisher ca. 14 km naturnahe Bachläufe. Die Gesamtprojektfläche beläuft sich auf 118 ha und wird überwiegend extensiv genutzt. Ein gutes Viertel davon wird extensiv beweidet, einige Hektar unterliegen der natürlichen Sukzession, der übrige Teil wird gemäht. Der größte Teil der Projektfläche unterlag zuvor einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung. Der Landschhaftserhaltungsverband Ostalbkreis brachte für die verschiedenen Renaturierungsvorhaben zahlreiche Beteiligte zusammen. So sind mehrere Wasser- und Bodenverbände, Kommunen und Vertreter der Fachbehörden für Flurneuordnung, Naturschutz und Wasserwirtschaft Mitgestalter der Maßnahmen. Bei zwei Bauabschnitten konnten Extensivweiden mit „Auerochsen“ (Heckrindern) etabliert werden. Gleichzeitig wurde ein umfangreicher Praxisleitfaden herausgegeben, um das gesammelte Wissen weiterzugeben. Die Bevölkerung schätzt die Umgestaltung der Gewässer sehr, was auch auf die gute Öffentlichkeitsarbeit zurückzuführen ist.

Für die erfolgreiche Renaturierung der Gewässer und die hervorragende Öffentlichkeitsarbeit dazu werden die Fließgewässerrenaturierungen auf der Ostalb des Landschaftserhaltungsverbandes Ostalb mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis geehrt.

"Engagierte Personen"

Dr. Hanspeter Hoernstein - Kurt Stöcklin

Schon seit Gründung der ersten Landschaftspflegeverbände begeisterte sich Dr. Hoernstein vom Landwirtschaftsamt Emmendingen für den kooperativen Ansatz von Naturschutz und Landwirtschaft und organisierte eine Exkursion nach Aschaffenburg zu dem dortigen Landschaftspflegeverband, damit sich die Emmendinger Akteure direkt vor Ort über Sinn und Arbeitsweise eines solchen Verbandes informieren konnten. Die Idee, einen Landschaftserhaltungsverband (LEV) in Emmendingen zu gründen, griff auch der damalige Kreisvorsitzende des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV), Kurt Stöcklin, auf. Dieser unterstützte das Vorhaben Dr. Hoernsteins. Zusammen führten sie unzählige Gespräche und leisteten viel Überzeugungsarbeit vor Ort und bei den Ministerien in Stuttgart, um letztendlich 1991 den Emmendinger Landschaftserhaltungsverband (LEV) gründen zu können.

Beide waren maßgeblich an allen wichtigen Entscheidungen des Verbandes beteiligt und trugen durch ihre ausgleichenden Charaktere zum Gelingen des Verbandes bei. Seit der Gründungsversammlung waren sie bis vor kurzem Vorstandsmitglieder des LEV. Hanspeter Hoernstein schied mit seiner Pensionierung im Sommer 2014 als Vorstandsmitglied aus, ist aber immer noch als Naturschutzbeauftragter im Fachbeirat des Vereins aktiv. Kurt Stöcklin erklärte im Februar 2014 nach über 22-jähriger Vorstandsarbeit altersbedingt seinen Rücktritt. Auch auf Bundesebene war Kurt Stöcklin über Jahrzehnte hinweg in der Vorstandschaft des DVL aktiv.

Die gute heutige Vernetzung des LEV Emmendingen mit Behörden und Landwirten und die erfolgreiche Durchführung verschiedenster Landschaftspflegemaßnahmen ist nur durch die Vertrauensbasis zwischen allen Beteiligten möglich, die maßgeblich von Hanspeter Hoernstein und Kurt Stöcklin in den letzten 25 Jahren mitgestaltet wurde.

Ihre Zusammenarbeit und großes Engagement von der ersten Stunde als Grundstein für denheutigen LEV Emmendingen und ihr Einsatz für die Gründung weiterer LEV in Baden-Württemberg wird mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis geehrt.

Alexander Tauscher

Als 1991 der Landschaftspflegeverband (LPV) Westerzgebirge e. V. gegründet wurde, stand ihm Alexander Tauscher als Gründungsmitglied und bis 1995 als Geschäftsführer mit Rat und Tat zur Verfügung. Dabei hatte er wesentlichen Anteil an der Etablierung und Entwicklung des Vereins in den Anfangsjahren. Durch sein persönliches Engagement konnten viele Landeigentümer als Mitglieder gewonnen werden.

Alexander Tauscher hat in seiner Zeit als Geschäftsführer mit ca. 570 Mitgliedern Pflegeverträge für 1.000 ha artenreiches Grünland im Westerzgebirge abgeschlossen und die Flächenpflege mit Landwirten organisiert. Diesem Engagement ist es zu verdanken, dass viele wertvolle Bergwiesen in der Region bis heute Bestand haben und ihren Artenreichtum auf Grund der naturschutzgerechten Bewirtschaftung und Pflege unter Mitwirkung des LPV bewahren konnten.

Unglaublich engagiert und mit viel Herzblut ging er seiner Arbeit nach. Ab 2001 arbeitete Tauscher als Bereichsleiter Biotoppflege beim LPV Westerzgebirge. Mit Mitarbeitern führte er Pflegearbeiten an sehr schwer zugänglichen, artenreichen Bergwiesen durch. Neben der eigentlichen Pflege bonitierte er Pflanzen in den geschützten Gebieten und ermöglichte so eine systematische Erfolgskontrolle auf den wertvollen Flächen.

Die langjährige vorbildliche Arbeit von Alexander Tauscher trug entscheidend dazu bei, dass der Landschaftspflegeverband hohes Ansehen bei Landnutzern, Kommunen und Behörden genießt. Für sein unermüdliches Engagement und seinen Einsatz für die Natur des Westerzgebirges wurde Alexander Tauscher mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) · Promenade 9 · 91522 Ansbach
Tel.: +49 (0)981-1800-990 · E-Mail: info@lpv.de · Internet: www.lpv.de
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