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"Vorbildliche Projekte"

Naturschutz mit Genuss: die Regionalinitiative „Altmühltaler Lamm“

Im April 1997 wurde in Buch bei Riedenburg im Naturpark Altmühltal die vom Bayerischen Umweltministerium geförderte Regionalinitiative „Altmühltaler Lamm“ offiziell gestartet. Ziel war und ist es, vor allem die ökologisch bedeutsamen Wacholderheiden durch eine aktive Bewirtschaftung langfristig zu sichern.

Diese Bewirtschaftung maschinell schwer zugänglicher Flächen lässt sich nur mit einer langfristigen Schafbeweidung aufrechterhalten. Doch nur wenn die Schäfereibetriebe eine ökonomische Perspektive vorfinden, können die naturschutzfachlich hochwertigen Flächen erhalten werden. Daher wurden in diesem Projekt stabile Organisationsstrukturen für Verarbeitung, Produktion und Vermarktung aufgebaut, um die Hüteschäferei auch nachhaltig zu ermöglichen.

So entstanden Produktions- und Verarbeitungsrichtlinien in Zusammenarbeit mit den Schäfern, Fachberatern und Gastronomen/Metzgern. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Qualitätssicherung in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft wurde das „Kontrollprogramm Altmühltaler Lamm“ eingerichtet und privatrechtliche Verträge zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Endkunden geschlossen. Die Marke „Altmühltaler Lamm“, welche die Vermarktung langfristig unterstützen soll, wurde patentrechtlich gesichert. Der Verein „Hüteschäfer im Naturpark Altmühltal“ wurde als rechtswirksamer Vertragspartner des Markeninhabers und der Gastronomie- und Metzgereibetriebe gegründet. Diese Instrumente dienten auch als Vorlage für nachfolgende regionale Vermarktungsprojekte (z.B. Lechtal-Lamm, Juradistel-Lamm,…).

Seit Projektstart 1997 wurden bislang über 30.000 Lämmer vermarktet (jährlicher Absatz von ca. 2.500 Lämmern). Viele Gäste und Einheimische trugen so – bewusst oder unbewusst – dazu bei, die Hüteschäferei und damit die artenreichen Trockenrasen (Wacholderheiden) zu erhalten. Für den Naturpark Altmühltal hat das „Altmühltaler Lamm“ neben der ökologischen und wirtschaftlichen Wirkung vor allem auch eine imagebildende und damit tourismuswirksame Funktion eingenommen. So können neue Zielgruppen (auch weniger am Naturschutz Interessierte) für Naturschutzthemen erreicht und begeistert werden.

Für die erfolgreiche Erhaltung wertvoller Wacholderheiden und des kulturhistorischen Berufes der Schäferei sowie der Aufklärung und touristischen Vermittlung darüber wurde das Projekt mit dem Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

25 Jahre Heidepflege auf dem Truppenübungsplatz Senne, NRW

Durch die Aufgabe extensiver Bewirtschaftungsformen wie der Wanderschäferei ist eine jahrhundertealte Kulturlandschaft, die Heide, in der „Normallandschaft“ Nordrhein-Westfalens fast verschwunden. Auf dem noch aktiv genutzten britischen Truppenübungsplatz Senne konnte sich mit ca. 2.000 Hektar die größte zusammenhängende Heidefläche Nordrhein-Westfalens mit einem faunistisch wertvollen Arteninventar erhalten, die eines der wertvollsten Gebiete dieses Bundeslandes darstellt.

Doch selbst dieses Areal ist durch mangelnde Bewirtschaftung von Verbuschung bedroht. Nur durch Fortführung historischer Landnutzungsformen kann es offengehalten werden. Dieser Aufgabe hat sich seit 1989 der Verein „Landschaftspflege und Artenschutz“ (ein Vorgänger der heutigen Biologische Station Kreis Paderborn - Senne e.V.) verschrieben. 2001 wurde der Truppenübungsplatz als FFH- und Vogelschutzgebiet gemeldet. Eine Schutzgebietsausweisung nach bundesdeutschem Naturschutzrecht erfolgte wegen der militärischen Nutzung jedoch nicht, stattdessen wird die Umsetzung der FFH- und EU-Vogelschutzrichtlinie vertraglich geregelt.

Um die Flächen offenzuhalten, müsste eigentlich wieder geplaggt und beweidet werden. Da die Plaggenwirtschaft durch Blindgänger auf dem Truppenübungsplatz nicht durchführbar ist, haben die Vereinsmitglieder mittels Spenden eine Heidschnuckenherde zur Pflege der Heideflächen aufgebaut. Heute werden die Flächen von einem Schäfer regelmäßig beweidet. Zusätzlich werden von der Biologische Station Kreis Paderborn - Senne e.V. und viel ehrenamtlicher Hilfe die einzigartigen Heideflächen vorwiegend manuell von Traubenkirsche, Kiefer und Birke freigehalten. Die Heidschnuckenschäferei hat sich seit dem Bau eines Schafstalls und Heulagers zu einem Besuchermagneten entwickelt. Zur Lammzeit und zum Tag der offenen Tür („Heideblütenfest“) kommen zahlreiche Gruppen (darunter viele Kindergruppen) und interessierte Bürgerinnen ud Bürger, um die Lammzeit erleben zu können. Hierbei werden sie von den Schäfern der Biologischen Station betreut.

Dieses jahrzehntelange Engagement des Erhalts einer regional sehr bedrohten und wertvollen Kulturlandschaft und der Aufklärung über historische Nutzungsformen wurde mit dem Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

"Engagierte Personen"

Dieter Sedlmayer - Referatsleiter i. R. Landschaftspflege und Naturschutzförderung beim Bayerischen Umweltministerium

Dieter Sedlmayer hat als großer Treiber die Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie in Bayern mitbegründet. Sie ist das fördertechnische Rückgrat für die Arbeit der Landschaftspflegeverbände und Vorbild für die Landschaftspflegeförderung in ganz Deutschland.

Seit den 90er Jahren und bis heute hat Dieter Sedlmayer die Landschaftspflegeverbände (LPV) als wichtigster Ansprechpartner aus der Praxis für die Regierungen und Ministerien etabliert, u.a. indem er maßgeblich die Einrichtung und Förderung der Koordinierungsstelle für die bayerischen Landschaftspflegeverbände unterstützte, die seit 1997 existiert.

Gleichzeitig hat er deutschlandweit als Begleiter, Initiator und Unterstützer geholfen, Landschaftspflegeverbände nach dem „bayerischen Modell der Freiwilligkeit“ (freiwillige Naturschutzleistungen durch Landwirte unterstützt durch LPV) zu gründen. Ebenfalls verankerte er als Referatsleiter Landschaftspflege und Naturschutzförderung beim Bayerischen Umweltministerium die Landschaftspflege in der bayerischen Politik sowie bei politischen Entscheidungen und half maßgeblich, die bayerischen Naturschutzförderprogramme in das Fördersystem der EU zu überführen. Die bewährte Landschaftspflegeförderung und der Vertragsnaturschutz konnten damit nicht nur erhalten, sondern noch deutlich ausgebaut werden.

Sein großes Anliegen ist immer, dass landschaftspflegerische Maßnahmen nicht nur einmalig durchgeführt werden, sondern in Betriebsabläufe oder Wertschöpfungsketten nachhaltig integriert werden. Als Unterstützer der Paritäten innerhalb der Landschaftspflegeverbände war es ihm immer wichtig, speziell die Praxis zu fördern. Insbesondere der Schäferei gab er damit als zentralen Partner in der Landschaftspflege Gewicht.

Kulturlandschaftsschutz und Naturschutz ist komplex und vielfältig. Deshalb hat er die Arbeit der Landschaftspflegeverbände durch Einführung neuer Themen (z.B. Biomasse aus der Landschaftspflege) erweitert und damit deren Position gestärkt. Hinweisen, Verbesserungsvorschlägen oder Kritik  in der Landschaftspflege und von den Landschaftspflegeverbänden räumte er hohe Priorität ein und kümmerte sich oft auch persönlich um Problemlösungen vor Ort. Vorschläge aus der Praxis nahm er ernst und integrierte sie soweit möglich in gesetzliche Vorgaben.

Für sein Engagement und all die langjährige Arbeit für die Landschaftspflege erhält Dieter Sedlmayer den Deutschen Landschaftspflegepreis.

Herbert Köhler - Vorsitzender des LPV „Altenburger Land“ e.V., Thüringen

Die Region rund um Schmölln herum war stark intensiv landwirtschaftlich geprägt. Bereits in der DDR galt der Kreis Schmölln mit nur 3% bewaldeter Fläche als extrem waldarm. In seiner Amtszeit als Bürgermeister von Schmölln richtete Herbert Köhler einen Grüngürtel als Biotopverbund rund um die Stadt ein, was den Waldanteil in der Region verdoppelte. Dafür benötigte er jedoch zu fast 100% Ackerland und trotzte dafür erfolgreich vielen Widerständen von Agrargenossenschaften. Weiterhin initiierte er 2011 ein Projekt, um diesen Grüngürtel zur Ansiedlung von Niederwild und Bodenbrütern herzurichten. Gleichzeitig übernahm die Stadt Schmölln unter seiner Federführung die Trägerschaft eines Projektes zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit der Sprotte (eines Flusses).

Herbert Köhler engagierte sich persönlich, um Spendengelder für Landschaftspflege- und Naturschutzprojekte aufzutreiben. Er steht für eine artenreiche Pflanzen- und Tierwelt und spricht energisch alle Betroffenen wie Landwirte, Jäger, Kommunen, Naturschützer und Flächeneigentümer auf ihren Beitrag an. Köhler leistet unermüdlich Überzeugungsarbeit und bewegt zum Mitmachen. So konnte durch sein Engagement der Landschaftspflegeverband Altenburger Land 2012 ein weiteres Projekt beginnen, das Überschwemmung der Straßen und Häuser bei Unwetter verhindern soll, indem Hecken gepflanzt und Regenrückhaltebecken ausgebaggert wurden. Ebenso helfen diese Spendengelder dem Landschaftspflegeverband Altenburger Land, Schutzgebietspflege zu betreiben.
Das Kleinklima in und um die Stadt Schmölln hat sich durch die umgesetzten Maßnahmen verbessert. In Zukunft werden auch positive Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt in der Region erwartet.

Herbert Köhler ist ein Kämpfer für Natur und Landschaft und hat durch seinen stetigen hohen persönlichen Einsatz in den letzten 20 Jahren Beispielhaftes in der Region Schmölln und im Landkreis Altenburger Land geschaffen. Die Verleihung des Deutschen Landschaftspflegepreises würdigt diesen Einsatz.

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) · Promenade 9 · 91522 Ansbach
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