"Vorbildliche Projekte"

Thalhamer Moos im Landkreis Mühldorf: Erfolgreiche Kooperative Wildlandstiftung Bayern – Landschaftspflegeverband Altötting

Zusammenarbeit zahlt sich aus! Der Landschaftspflege-verband Altötting und die Wildland Stiftung Bayern wurden für die Erhaltung des Thalhamer Mooses im Landkreis Mühldorf mit dem Landschaftspflegepreis geehrt.

Das Projekt leistet aktive Nachbarschaftshilfe durch den Landschaftspflegeverband Altötting: Im Nachbarlandkreis Mühldorf am Inn gibt es noch keinen Landschaftspflegeverband. Gleichzeitig besteht jedoch ein hoher Bedarf an Landschaftspflege, insbesondere im Thalhamer Moos bei Walkersaich im Isental. Dabei handelt es sich um ein circa 40 ha großes bedeutendes Niedermoorgebiet, das als FFH-Gebiet (7739-371 Isental) ausgewiesen ist.

Dieses Niedermoor mit seinen angrenzenden Feuchtwiesen drohte durch Nutzungsaufgabe der nicht maschinell bewirtschaftbaren Zentralflächen endgültig zu verbuschen. Zudem wurde die Nutzung angrenzender Flächen intensiviert, was das Moos durch den daraus folgendem Stickstoffeintrag gefährdete. Damit wäre ein wichtiger Lebensraum von Wiesenbrütern (z.B. Bekassine, Kiebitz) und Durchzüglern verloren gegangen.

Die Wildland-Stiftung als Naturschutzorganisation des Bayerischen Jagdverbandes engagierte sich seit 10 Jahren für den Erhalt des Thalhamer Mooses. Sie kam auf den LPV Altötting mit der Bitte zu, für die Umsetzung der Maßnahmen mit Rat und Tat zu helfen. Ziel war es auch, insbesondere das Vertrauen der Landwirte vor Ort zu gewinnen, um landschaftspflegerische Maßnahmen langfristig als sinnvolle und wirkungsvolle Instrumente des Naturschutzes entwickeln zu können.

Durch gemeinsame Anstrengungen des Landschaftspflegeverbandes Altötting und der Wildland Stiftung Bayern sowie beteiligter Landwirte wurde das Gebiet entbuscht, durch Schnitt und Abfuhr des Aufwuchses ausgehagert, Bruthabitate angelegt und angrenzende Landwirte fachlich beraten und zur extensiven Nutzung gewonnen. Die Vorbehalte gegen die Aktivitäten im Thalhamer Moos sind bei den Landwirten weitgehend ausgeräumt, viele Bauern sind mittlerweile echte Partner für die Umsetzung. Um auch die heimatliche Bedeutung des Moores herauszustellen, wurde eine Torfhütte nach historischem Vorbild errichtet, die 2010 mit einer naturkundlichen Ausstellung ausgestattet wurde.

So konnte dort ein wertvolles Moor mit seiner typischen Fauna und Flora vor dem Zuwachsen bewahrt werden. Das Thalhamer Moos stellt zweifellos eines der wichtigsten Lebensräume im Landkreis Mühldorf dar. Es ist zu erwarten, dass das positive Beispiel der Kooperation zwischen Landschaftspflege und Landwirten bzw. Jagdverband auf andere Gebiete im Landkreis Mühldorf ausstrahlt. Die hier gewonnen Erfahrungen lassen sich so gut übertragen. Die Bemühungen, im Kreis Mühldorf einen Landschaftspflegeverband zu gründen, wurden durch die Kooperation von LPV Altötting und Wildland-Stiftung stark befördert.

Für diesen Einsatz über den eigenen Tellerrand hinaus wurde dieses erfolgreiche Projekt mit dem Landschaftspflegepreis geehrt.

Renette - Eifeler Obstwiesen, Nordrhein-Westfalen

2002 gründeten Mitglieder ortsansässiger Naturschutzvereine den Verein „Renette - Eifeler Obstwiesen e.V.“ Sie traten mit dem Ziel an, die alten Hochstammobst-wiesen rund um die Eifeler Siedlungen und Dörfer zu erhalten, naturnah zu pflegen und Neuanpflanzungen zu fördern. Viele heimische Obstsorten sind mit der immer intensiveren Produktion (mehr Erträge, uniformes Aussehen, günstigere Produktionskosten) und dem Welthandel aus den Marktsortimenten verschwunden. Erträge alter Obstbaumwiesen sinken durch fehlende Pflege oder verbuschen.

Der Verein „Renette – Eifeler Obstwiesen“ pflegt naturnahe Streuobstwiesen mit traditionellen Sorten, pflanzt neue an und bringt die Produkte rund ums Obst bis zur Vermarktung. Die Pflege geschieht ohne chemische Düngung und Spritzmittel. Aus der Nutzung entstehen neben dem reinen Obst Säfte und Alkohole. Die Vermarktung erfolgt über regionale Verkaufsstellen und der Gastronomie. Ziel der ehrenamtlichen Vereinsarbeit ist es, das Landschaftsbild der Eifel und die genetische Vielfalt zu erhalten. Darüber hinaus stellen diese naturnah bewirtschafteten Obstwiesen Refugien für die heimische Fauna und Flora dar, die aktiv mit der Pflege der Flächen geschützt werden.

Gleichzeitig berät der Verein Interessierte bei der Sortenauswahl und leistet Beratungs- und Aufklärungsarbeit für Pflege der Bäume und neue Anpflanzungen. So werden bspw. zahlreiche kostenlose Schnitt- und Veredelungskurse in den Kreisen Euskirchen und Düren angeboten, mit Schülern und Lehrern der Realschule Zülpich zusammengearbeitet und regelmäßig an Veranstaltungen mit Infoständen rund ums Streuobst teilgenommen.

Für dieses erfolgreiche Projekt, das wichtige Landschaftsbestandteile erhält und nutzt sowie praktische wie auch theoretische Kenntnisse vermittelt, wurde der Landschaftspflegepreis vergeben.

"Engagierte Personen"

Agrarökonom Dr. Heinrich von Bassewitz

Seit 1992 betreibt Dr. Heinrich Graf von Bassewitz ökologischen Landbau auf dem Familiensitz Gut Dalwitz in Mecklenburg. Anfangs nur mit Grünland und mittelmäßigem Acker wirtschaftend, wurde ihm klar, dass dieses Gebiet ein besonderes Nutzungskonzept benötigt, das ökologischen Landbau, Tourismus und regionale Entwicklung mitein-schließt. Daher sind heute seine wirtschaftlichen Standbeine vielfältig: Rinderzucht, Ackerbau, Freilandeier-produktion, Pferdezucht, Schafhaltung, nachhaltige Energieproduktion aus Biogas und Solarstrom sowie das Feriengut.

Mit großem Interesse für die Landschaft gründete er 2003 mit 16 gleichgesinnten Landwirten die erste gentechnikfreie Region Deutschlands. 2006 gründete Bassewitz den Verein „Mecklenburger Agrarkultur“ mit dem Ziel, diese Kulturlandschaft sowie die traditionellen Gutsparke zu erhalten und weiter für Tourismus und ländliche Entwicklung zu erschließen. Der Verein ist seit 2008 eingetragener Landschaftspflegeverband (LPV) und Bassewitz dessen Vorsitzender. Er sorgt u.a. für die Freihaltung und Neuanlage von Wegen, organisiert Veranstaltungen in den Gutshäusern und unterstützt die schwach touristisch erschlossene Region mit der Erstellung von Naturführern, Rad-/Wanderkarten und Musikveranstaltungen. Gleichzeitig konnte der LPV ein funktionierendes Netzwerk von Gemeinden, Ferienanbietern und Landwirten aufbauen.

Eine aus den Augen verlorene Kulturlandschaft gelangt durch den Einsatz von Dr. von Bassewitz zu neuer Blüte. Daher wurde er als Vorbild für die Vereinbarkeit von Wirtschaftlichkeit und Naturschutz sowie einer nachhaltigen Regionalentwicklung für sein persönliches Engagement mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis geehrt.

Schäfermeister Martin Geßner

Landschaftspflege mit Schafen kann nicht hoch genug bewertet werden: sie halten verbuschungsgefährdete Hänge und Bergwiesen frei, Streuobstwiesen und Grünland offen.Die Schäferei Geßner aus Bedheim sorgt seit 20 Jahren mit ihren Schafen und Ziegen für den Erhalt der Kulturlandschaft und damit für Lebensraum seltener Arten (wie der Arnika). Im waldreichen Thüringer Wald ist gerade die Offenhaltung eine der größten Herausforderungen, die nur durch regelmäßige Beweidung gemeistert werden kann.

Schäfermeister Martin Geßner, der bereits seit 30 Jahren mit Hingabe den Beruf ausübt, weiß darüber hinaus, wie wichtig es ist, diese Arbeit den Menschen näher zu bringen. Vielen ist der Zusammenhang von Nutzung und Kulturlandschaft gar nicht mehr bewusst. Daher zieht er heute nicht mehr nur mit seinen Merinolandschafen über die Weiden im Naturpark Thüringer Wald, sondern klärt auch Besucher und Bewohner über seine Arbeit auf, kocht mit Wirten Lammgerichte und erzählt Kindern von Schafen und Bergwiesen. Gerade wegen steigender Kosten, sinkender Einnahmen, geringer Entlohnung von Fleisch und Wolle sowie Nachwuchsproblemen ist Aufklärung über die gesellschaftliche Bedeutung der Schäferei von großer Bedeutung. Hüteschäferei ist kein Selbstzweck, sondern erhält die Vielfalt unserer Kulturlandschaft.

Schäfermeister Geßner ist neben seiner Arbeit aktiv im Vorstand des Landschaftspflegeverbandes Thüringer Wald e.V. tätig, engagiert sich als Mitglied des Landschaftspflegeverbandes Thüringer Grabfeld und auch noch im Vorstand des Thüringer Landesschafzucht-Verbandes.

Daher wurde Martin Geßner für sein langjähriges Wirken und sein besonderes Engagement mit dem Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

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