"Innovatives Projekt"

Artenschutz, Moorschutz und Klimaschutz im Paket - die Wiedervernässung des Schwäbischen Donaumooses

Die Wiedervernässung des Schwäbischen Donaumooses fand 2009 mit der Einleitung von Nauwasser ins Leipheimer Moos seinen vorläufigen Höhepunkt und wird damit nicht nur ein Jahrhundertprojekt für die Region, sondern die erste flächige Wiedervernässung eines Niedermoores in Schwaben, in dieser Form sogar in ganz Bayern.

In diesem Projekt des Landschaftspflegeverbandes ARGE Donaumoos sind die Handlungsschwerpunkte der Europäischen Union zum Schutz der Biodiversität, des Wasserschutzes und des Klimaschutzes eindrucksvoll vereint.
Bereits erste Landschaftspflegemaßnahmen wie Entbuschung und Streuwiesenpflege wirkten sich positiv auf die Tiere und Pflanzen im Gebiet aus.
Das Projekt trägt auch einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz bei, da durch die Wiedervernässung in dem über 150 ha großen Torfkörper der Grundwasserstand spürbar angehoben wird. Dadurch wird die Mineralisation langfristig weitgehend unterbunden und in Teilen sogar erneutes Torfwachstum angeregt.

Das Projekt ist ein hervorragendes Beispiel für die verbindende und interessensausgleichende Arbeit eines Landschaftspflegeverbandes, indem Konflikte durch Gespräche, kompetente Beratung und „Runde Tische” bereits im Vorfeld geschlichtet werden konnten.
Die Wiedervernässung des Schwäbischen Donaumooses repräsentiert als „Leuchtturm-Projekt” die Renaturierung von Niedermooren in ganz Deutschland.

Von den Ergebnissen und Erfahrungen der ARGE Donaumoos können viele Landschaftspflegeverbände und Fachleute profitieren, um den Schutz der Niedermoore in Deutschland voranzutreiben und damit den Arten-, Moor- und Klimaschutz entscheidend zu unterstützen. Deshalb wurde dieses innovative Projekt mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2009 ausgezeichnet.

Aktivitäten rund um das Feldflora-Reservat und die heimische Kulturlandschaft, Rheingau-Taunus, Hessen

Der Kulturlandschaftsverein Hausen vor der Höhe gestaltet aktiv die Kulturlandschaft im Hohen Taunus. So richtete der Verein einen Kulturlandschaftspfad ein, eine Wetterstation (Schlangenbad-Hausen ist Luftkurort!) und pflanzt und pflegt Streuobstwiesen aus Obsthochstämmen durch. Auch Kochkurse mit alten Getreidesorten sowie Workshops zur Käseherstellung bieten die Mitarbeiter des Vereins an. Selbst der Bau eines Kohlen-Meilers stand bereits auf dem Programm des Kulturlandschaftsvereins.

Ganz besonders herausgehoben und eng gekoppelt an die Gründung des Kulturlandschaftsvereins ist die Betreuung des Feldflorareservates (FFR) in Schlangenbad-Hausen.
Das Projekt ist in das „Artenhilfsprogramm Ackerwildkräuter im Rheingau und Westtaunus“ eingebettet, das vom Rheingau-Taunus-Kreis in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Rheingau-Taunus, der Botanischen AG Taunus und dem Nassauischen Verein für Naturkunde durchgeführt wird.

Bereits mehrere Tausend Personen haben die verschiedenen Angebote des KLV Hausen v.d.H. angenommen. Dabei kann jede/r selbständig das FFR aufsuchen und seine Vielfalt auch ohne Führung genießen, da viele Hinweisschilder aufgestellt sind. Dazu gehören derzeit etwa 50 Dauerbeobachtungsflächen auf Ackerschonstreifen und in Weinbergen des Rheingau-Taunus-Kreises.

Bisher wurden im FFR 124 Wildkrautarten festgestellt. Im Jahr 2000 (Einstellung der Spritzung und Düngung) fanden sich bereits 50 Arten ein. Der spektakulärste Neufund ist die Kornrade (Agrostemma githago), die 2002 im Wintergetreide in fünf Exemplaren auftauchte. Diese bundesweit vom Aussterben bedrohte Art kam vor einigen Jahren noch anderenorts im Taunus vor.

Weitere hier vorkommende, gefährdete Arten sind die Roggentrespe (Bromus secalinus), der Acker-Steinsame (Lithospermum arvense), der Saat-Hohlzahn (Galeopsis segetum), das Acker-Löwenmaul (Misopates orontium), der Gefurchte Feldsalat (Valerianella rimosa) und der Glanzlose Ehrenpreis (Veronica opaca). In grossen Mengen kommt die – anderenorts seltene – Saat-Wucherblume (Chrysanthemum segetum) vor, die den Anstoß für die Auswahl dieser Fläche als FFR gab. Zunehmend ist auch die Zahl der Kornblumen (Centaurea cyanus) und des Sandmohns (Papaver argemone), die aber nicht mehr als gefährdet gelten.

Der engagierte, ehrenamtlich organisierte Aufbau des Feldflora-Reservates verdient den Deutschen Landschaftspflegepreis 2009.

"Engagierte Personen"

Susanne von Redecker, Bio-Landwirtin, Schleswig-Holstein

Die Acker- und Grünlandflächen des Hofes Schoolbek von Susanne von Redecker liegen zum Teil innerhalb eines FFH-Gebietes. Mehrere weitere Betriebsflächen sind der Hauptverbundachse zwischen direkt angrenzenden Natura 2000-Gebieten zuzuordnen. Auch im Gebiet „Holmer See“, einem „Hot Spot“ des Naturschutzes in Schleswig-Holstein, liegen Flächen ihres Betriebs. So ist Frau von Redecker nicht nur Biolandwirtin mit Herz und Seele, sondern auch Hüterin besonderer Naturschätze:

Auf einer der Ackerflächen wurde 2008 ein Vorkommen des vom Aussterben bedrohten Lämmersalates (Arnoseris minima) festgestellt, für dessen Erhaltung Schleswig-Holstein bundesweit eine besondere Verantwortung trägt. Auf einer weiteren Hoffläche gedeiht das Acker-Gipskraut (Gypsophila muralis), das in Schleswig-Holstein bereits als ausgestorben galt.
Susanne von Redecker erklärte sich bereit, für beide Flächen im Rahmen des DBU-Projektes „100 Äcker für die Vielfalt“ langfristige Nutzungsvereinbarungen einzugehen.

In den Diskussionen um die Umsetzbarkeit geeigneter Maßnahmen hat sie großen Enthusiasmus entwickelt und zahlreiche eigene Ideen eingebracht, so dass schließlich rund 86% (10 Einzelflächen) der von ihr bewirtschafteten Nutzfläche gegen Ausgleichszahlungen langjährig für die Umsetzung von Artenschutzmaßnahmen zur Verfügung stehen.
Der Hof Schoolbek dürfte damit bezüglich der Verbindung von Landwirtschaft und Naturschutz eine Spitzenstellung in Schleswig-Holstein einnehmen und über den Produktionszweig Naturschutz dem Betrieb eine neue Ausrichtung und bessere Zukunftsaussichten durch die Ansprache neuer Kundenkreise geben. Dieses Engagement wurde mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2009 ausgezeichnet!

Ehepaar Margit und Hans-Peter Zönnchen - Hermsdorf/Erzgebirge (Sachsen)

Das Ehepaar Zönnchen bewirtschaftet in Hermsdorf im sächsischen Erzgebirge einen Betrieb mit 20 ha Wald und 60 ha Grünland, davon 10 ha wertvolle Naturschutzflächen, die mit Spezialtechnik, die die Betriebsleiter aus eigenen Mitteln beschafften, bearbeitet werden.Von Beginn an engagiert sich das Landwirte-Ehepaar im Naturschutz und der Landschaftspflege und wirtschaftet insgesamt nach hohen ökologischen Maßstäben.

So pflegen sie wertvolle Feucht- und Bergwiesen mit Arnika und Orchideen im FFH-Gebiet Gimmlitzwiesen sowie weitere 50 ha extensive Weide und Wiesen.
Die beiden pflanzten auf den eigenen Flächen insgesamt 3 km mehrreihige Biotopverbundhecken und unterstützten den Landschaftspflegeverband bei der Neuanlage von Heckenpflanzungen im Gemeindegebiet.
Darüber hinaus setzt sich Familie Zönnchen sehr engagiert für die Erhaltung der wertvollen Wiesen in der Region ein und ermutigt andere Wieseneigentümer zu einer naturschutzgerechten Pflege, anstatt diese aufzuforsten.
Für seine artenreichen Bergwiesen wurde der Landwirtschaftsbetrieb Zönnchen bereits mehrmals im Rahmen der regionalen Bergwiesenwettbewerbe der Landschaftspflegeverbände ausgezeichnet.
Margit Zönnchen setzt sich im Rahmen einer kleinen lokalen Privatinitiative für den Erhalt genetischer Ressourcen von Wildpflanzen der Bergwiesen (z.B. die traditionelle Arzneipflanze Arnika montana) ein.
Als wichtige Partner für die Umsetzung von Naturschutz und Landschaftspflege in ihrer Region wirkt ihr persönliches Engagement weit über den eigenen Hof hinaus. Deshalb wirde das Ehepaar Zönnchen 2009 mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis ausgezeichnet.

"Sonderpreis"

HIT-Umwelt- und Naturschutz-Stiftungs-GmbH

Die von der Familie Dohle 2003 gegründete HIT-Umwelt- und Naturschutzstiftung ist eine private Stiftungs-GmbH, die Projekte zum Erhalt der Natur, der Erforschung und der Umweltbildung unterstützt.
Bundesweit werden etwa 50 Umweltvereinigungen und private Initiativen finanziell unterstützt, wobei der Schwerpunkt auf der Förderung von Projekten in den neuen Ländern und in Nordrhein-Westfalen liegt.
Dabei geht es hauptsächlich um die Umsetzung von konkreten Projekten und Maßnahmen im Biotop- und Artenschutz, etwa zum Schutz des Eisvogels in den Bachtälern der Eifel.
Gerade die Bereitstellung von Geldern zur Kofinanzierung großer Projekte, die Landschaftspflegeverbände oder Biologische Stationen nur schwer aufbringen können, macht die HIT-Umweltstiftung als deutschlandweit tätigen Geldgeber unverzichtbar.

Für dieses Engagement erhält die HIT-Umwelt- und Naturschutzstiftungs-GmbH den Sonderpreis des Deutschen Landschaftspflegepreises 2009.

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