Gebietsheimisches Saatgut

In der Landschaftspflege wird die Biodiversität auch durch Wiederausbringung von Saatgutmischungen gefördert. Regionales Saatgut enthält Arten mit den jeweiligen standort- und geographische Ausprägungen. Dadurch werden autochthone Pflanzenbestände geschützt.

Der DVL startete in Sachsen ein Pilotprojekt zur Produktion von gebietsheimischen Saatgut oder Gehölzen. Dabei galt es folgende Handlungsfelder zu bearbeiten:

  • Herkunftsregionen festzulegen
  • Produzenten zu finden
  • geeignete Erntebestände auszuweisen
  • praktikable Nachweis- und Kontrollsysteme zu erarbeiten
  • und den Einsatz des Saat- und Pflanzgutes zu bewerben, um eine entsprechende Nachfrage zu sichern.

Gebietsheimisches Saatgut in Sachsen

In Sachsen initiiert und betreut der DVL seit 2008 die Produktion herkunftsgesicherter, zertifizierter Wildpflanzen-Saatgüter in den drei sächsischen Herkunftsgebieten. Mehrere Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe sind als Kooperationspartner in das Projekt integriert und untereinander vernetzt. Die erste Samen-Ernte läuft seit Juli 2009.

Wichtig ist nun, dass dieses hochwertige Material für ingenieurbiologische und Naturschutzprojekte, für Kompensationsmaßnahmen, Stadtumbau, Biotopverbünde und private Zwecke zum Einsatz kommt! Neben den oben erwähnten rechtlichen Rahmenbedingungen bekennt sich der Freistaat Sachsen in seinem Biodiversitätsprogramm zur Bewahrung der genetischen Vielfalt innerhalb der Pflanzenarten. Gebietsheimisches, d.h. geno- und phänotypisch durch die Wiedereinwanderung nach der letzten Kaltzeit und die derzeitigen Standortverhältnisse vor Ort an die unterschiedlichen Regionen Sachsens angepasstes Saatgut wird somit nicht nur verlangt, sondern ist durch das DVL-Projekt mittlerweile auch verfügbar.

Das Artenspektrum wird in der Zukunft immer mehr erweitert. Derzeit können Mischungen von 20-25 Gräser- und Kräuterarten für Mager- und Frischwiesen angeboten werden. Eine echte Alternative zum Einheitsrasen!

 

Das grüne Wunder
Eine Broschüre über naturnahe Begrünung mit gebietsheimischen Diasporen

Begruenungsbroschuere_Sachsen.pdf | 1.6 M

Blühmischung „Sächsische Ackerbrache“

Für Blühflächen, Raine, Brachen und Ackerrandstreifen stellt der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) jetzt qualitativ hochwertige, standortangepasste Saatgutmischungen bereit. Neben Sommergetreide, Energiepflanzen, Feldfutter und Hackfrüchten können Sachsens Landwirte damit ihre landwirtschaftlichen Flächen mit bunten Wildkräutern, wie Weiße Lichtnelke und Margerite bereichern. Sie dienen dem Erosions- und Wasserschutz, der Biotopvernetzung, Landschaftsgliederung, sowie Feldhase, Biene, Rebhuhn & Co. als attraktiven Lebensraum. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie empfiehlt Landwirten die Einsaat der Blühmischungen im Rahmen der sächsischen Förderrichtlinie „Agrarumweltmaßnahmen und Waldmehrung – RL AuW/2007“ für Bracheflächen in der Feldflur.

Bezugsadresse und weitere Informationen bekommen Sie hier.

Rechtlicher Hintergrund

Das novellierte Bundesnaturschutzgesetz trat am 1.3. 2010 in Kraft. Von großer Bedeutung ist darin der §40 über „Nichtheimische, gebietsfremde und invasive Arten“. Wie schon im vorigen Naturschutzgesetz wird hier für die freie Landschaft die Verwendung von Saat- und Pflanzgut vorgeschrieben, welches einen engen regionalen Bezug zum Ausbringungsort hat. Das heißt: Samen, Stecklinge, Reiser, Stauden und junge Sträucher bzw. Bäume dürfen außerhalb von Ortschaften und Privatgärten nur dann gepflanzt oder gesät werden, wenn das ursprüngliche Vermehrungsmaterial auch aus dieser geografischen Gegend stammt. Die genaue Größe und Lage der Herkunftsgebiete findet man für Saatgut von Gräsern und Kräutern auf der Internet-Seite des Verbandes deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten (VWW) unter der Adresse:  http://www.natur-im-vww.de/zertifikat.

Die Abgrenzung der Herkunftsgebiete für Gehölze findet derzeit auf Bundesebene statt. Als Orientierung gilt aktuell die Karte nach Schmidt, P.A. & Krause, A. (1997): „Zur Abgrenzung von Herkunftsgebieten bei Baumschulgehölzen für die freie Landschaft“, Natur und Landschaft 72, 92-95.

 

Kontakt

René Schubert

DVL Landesbüro Sachsen
Lange Straße 43
01796 Pirna

Tel. +49 (0) 3501- 46 765 23
Fax: +49 (0)350146 765 25
E-Mail: schubert(at)lpv.de

Web: http://sachsen.lpv.de

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) · Feuchtwanger Straße 38 · 91522 Ansbach
Tel.: +49 (0)981-4653-3540 · E-Mail: info@lpv.de · Internet: www.lpv.de