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Naturschutzberatung für Schäfereibetriebe in Thüringen erfolgreich

Von: Bernd Blümlein

05.06.2014

Deutscher Verband für Landschaftspflege bilanziert Ergebnisse seines Projekts zur Naturschutzberatung für schafhaltende Betriebe

Ansbach / Erfurt, 05.06.2014.
Schäfereibetriebe müssen bei der Pflege von artenreichen Weideflächen intensiv beraten werden. Nur so wird die Bewirtschaftung wichtiger Naturschutzflächen dauerhaft aufrechterhalten. Dies bilanziert der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) nach dem Abschluss eines Pilotvorhabens zur Naturschutzberatung in Thüringen. Laut DVL minimiert die Beratung das Sanktionsrisiko der Schäfer bei der Umsetzung von Fördermaßnahmen und fördert die zielgerichtete Lenkung von Fördergeldern. Die Schäfer befürworten es deshalb, die Beratungsangebote im Naturschutz auszubauen.

Seit September 2010 hat der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) in Kooperation mit dem Landesverband Thüringer Schafzüchter die gezielte Naturschutzberatung von Schäfereibetriebe in Thüringen angeboten. Thüringenweit wurden Betriebe in acht Landkreisen im Westen des Landes – vom Kyffhäuserkreis bis zum Vorland des Thüringer Waldes im Kreis Hildburghausen – einzeln besucht, ihre Weideflächen analysiert und im Hinblick auf die Anwendung von Naturschutzförderung beraten. Insgesamt haben sich 25 Betriebe mit über 5.000 ha Weidefläche beteiligt. Besonderer Fokus bei der Naturschutzberatung lag bisher auf Natura 2000-Gebiete, im Speziellen auf den Lebensraumtypen naturnahe Kalk-Trockenrasen, artenreiche montane Borstgrasrasen, Pfeifengraswiesen auf kalkhaltigen Böden, trockene Heiden und magere Flachlandmähwiesen. Viele dieser Wiesen drohen zu verbuschen. Im Zuge des Projektes konnte vielerorts dieser Prozess rückgängig gemacht und die Flächen wieder in eine dauerhafte Beweidung genommen werden.

Je nach landschaftlichem Raum und je nach den betrieblichen Gegebenheiten der einzelnen Schäfereien unterschieden sich die Anforderungen an eine naturschutzfachliche Beratung stark. Drei wichtige Schlüsselfaktoren sind jedoch für einen Erfolg der Schäfereiberatung allgemein gültig: Der Naturschutzberater muss gegenüber dem Schäfer die Naturschutzbelange verständlich vermitteln und gemeinsame betriebsbezogene Lösungen suchen (1). Der Berater muss die Gesamtsituation vor Ort im Blick haben und die Betriebe bei der Finanzierung und Organisation der Pflege von Naturschutzflächen, bei der Einrichtung von Triebwegen und bei der Lösung von Konflikten mit anderen Interessengruppen unterstützen (2). Für die Betriebsinhaber ist eine Kontinuität in der Beratung durch vertraute Personen wichtig (3).

Vertrauen und gegenseitiges Verständnis baut sich erst über einen längeren Zeitraum auf. Daher können örtliche kompetente Berater, wie z.B. die Thüringer Landschaftspflegeverbände, bei entsprechender Förderung und Personalausstattung hier sehr wertvolle Arbeit leisten.
Der DVL hofft auch in der neuen Förderperiode auf eine Förderung der Naturschutzberatung in Thüringen und will seine Erfahrungen auch auf andere Bundesländer übertragen.


Hintergründe:
Die traditionelle Hüteschäferei hat in Thüringen ganz besonders artenreiches Grünland entstehen lassen. Meist sind es wichtige Lebensraumtypen wie Magerrasen und Heideflächen, die ohne die extensive Schafbeweidung mit Gehölzen zuwachsen und verschwinden würden. Für Natur- und Artenschutz sind Hüteschäfer deshalb unverzichtbare Partner, deren Dienstleistung für die Gesellschaft erhalten werden muss.

Schafhaltende Betriebe in Thüringen sind in den meisten Fällen wirtschaftlich schwach. Wie im gesamten Bundesgebiet zählen sie auch hier zu den Landwirtschaftsbetrieben mit dem geringsten Jahreseinkommen. Ohne die staatliche KULAP-Förderung für die Landschaftspflege ist eine Wirtschaftlichkeit der Schafhaltung nur schwierig erreichbar. Das Einkommen aus der Landschaftspflege ist daher ein wichtiges Standbein für Ihre Existenz. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die über das KULAP Thüringen zu erbringenden Landschaftspflege-Leistungen oft sehr hoch und erfordern gutes Fachwissen um allen naturschutzfachlichen Pflegekriterien gerecht zu werden. Hier setzt die Beratung an.

Das Projekt „Naturschutzberatung für schafhaltende Betriebe in Thüringen“ wurde über die Förderinitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen, Programm „Entwicklung von Natur und Landschaft“ (ENL) gefördert. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht. Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

Dateien:
140530_PM_TH_Projektabschluss_Schaefereiberatung_end.pdf101 K
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