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Natura 2000- Grünland: Ziele nur mit Kooperation zu erreichen

Von: Dr. Jürgen Metzner

21.02.2014

Ansbach/ Berlin, 21.2.2014: Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) e.V. warnt davor, wegen der Diskussion um einen besseren Schutz von Grünland in Deutschland, die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz in Natura 2000-Gebieten in Frage zu stellen. „Dies würde den jahrelangen gemeinsamen Anstrengungen im Naturschutz vor Ort nicht gerecht werden und die bisherigen Erfolge gefährden“, so der Vorsitzende des DVL, Josef Göppel MdB. Der DVL reagiert damit auf Äußerungen aus dem Bauernverband, wegen des Umbruchverbotes von Grünland im europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 die Zusammenarbeit vor Ort in Frage zu stellen.

Bund und Länder dürften aber vor dem rasanten Artenrückgang auf Grünland nicht die Augen verschließen. Es drohten schließlich auch finanzielle Anlastungen von Seiten der EU. Ein Umbruchverbot sei deshalb richtig. Göppel kritisiert in diesem Zusammenhang die ungenügende Ausstattung der Naturschutzförderprogramme in der 2.Säule der Agrarförderung. „Gerade die Förderprogramme, die Landwirte entschädigen und die für freiwillige Kooperationen zwischen Landwirten und Naturschutz von elementarer Bedeutung sind, werden gekürzt.“ So ist das Wahlversprechen von 200 Mio. € Bundesmittel in weiter Ferne. Auch die 4,5% umgeschichteten Mittel aus der 1. Säule in die 2. Säule wollen die meisten Bundesländer nicht für eine bessere Unterstützung der Landwirte in Natura 2000-Gebieten verwenden. „Wir können doch nicht die Naturschutzförderung immer weiter kürzen und uns wundern, dass wir die EU-Vorgaben beim Artenschutz nicht erfüllen!“, so Göppel.

Eine attraktive Förderung von Natura 2000 ist die Grundlage für eine funktionierende Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Innerhalb der 145 Landschaftspflegeverbände, die im DVL organisiert sind, arbeiten zum Beispiel 10.000 Landwirte mit Naturschützern und Kommunalpolitikern als Partner zusammen. 76% aller Landschaftspflegeverbände kümmern sich vor Ort direkt um die Natura 2000-Umsetzung. Bundesländer wie Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein reagieren auf ihre rechtliche Verpflichtung, die Arten und Lebensräume in Natura 2000-Gebieten zu erhalten, mit dem weiteren Ausbau dieser Verbände. Die Landschaftspflegeverbände schaffen den Spagat: Einerseits die Schutzziele von Natura 2000 im Auge zu behalten und auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Landwirte einzugehen. Diese Zusammenarbeit hat sich deutschlandweit bewährt. Das Vertrauen dafür basiert auf einer langfristigen und guten Ausstattung der Naturschutzförderprogramme.

In Natura 2000-Gebieten muss gehandelt werden. Nach neuesten Zahlen aus dem Bundesamt für Naturschutz haben alle landwirtschaftlich geprägten Natura 2000-Gebiete in Deutschland an Arten verloren. Ausgerechnet das Grünland nimmt einen traurigen Spitzenplatz ein. Ob Salzwiesen im Norden oder Bergmähwiesen im Süden, seit 2007 hat sich der Zustand flächendeckend verschlechtert. Aus Sicht von Naturschutzfachleuten ist deshalb die generelle Einstufung von Natura 2000-Grünland als umweltsensibles Grünland notwendig. Dies macht ein Umbruchverbot innerhalb der Natura 2000-Kulissen notwendig, denn auch ein Pflegeumbruch mit Neueinsaat würde den Verlust der zu schützenden Arten bedeuten. Eine flächenscharfe Festlegung artenreicher Flächen innerhalb des Natura 2000-Netzes ist nach Einschätzung der Verwaltung wegen fehlender Daten kaum umsetzbar und fachlich nicht sinnvoll. So nutzen zum Bespiel hochbedrohte Wiesenvögel für Brut und Nahrungssuche jeweils die gesamte Wiesenkulisse in Natura 2000-Gebieten.
In Deutschland gelten die 145 Landschaftspflegeverbände innerhalb der DVL als Erfolgsmodell bei der Umsetzung von Natura 2000.

Kontakt:
Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer DVL, Tel. (0981) 4653-3540, E-Mail: metzner(at)lpv.de

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